Narcisse Tordoir

Ab dem 20. September zeigt Narcisse Tordoir ein monumentales Werk und vier Zeichnungen in den historischen Räumen des Museums.

Im Jahr 2014 organisierte das Museum für Zeitgenössische Kunst Antwerpen (Museum voor Hedendaagse Kunst - M HKA) eine erfolgreiche Ausstellung mit Werken des Antwerpener Künstlers Narcisse Tordoir. Die Stadt hatte damals eines der monumentalen Gemälde aus der Reihe „The Pink Spy“ für das städtische Kunsterbe erworben. Narcisse Tordoir schenkte daraufhin dem Kupferstichkabinett vier Zeichnungen aus dieser Reihe.
 
Ab dem 20. September zeigt Tordoir diese Zeichnungen und ein monumentales Werk in den historischen Räumen des Museums. Die alte Bibliothek ist ein hervorragender Ort, um sein eindrucksvolles Werk mit dem historischen Rahmen des Museums zu konfrontieren.
 
The Pink Spy
Mit der Reihe „The Pink Spy“ (2013) knüpft Tordoir an die Tradition des venezianischen Spätbarockmalers Battista Tiepolo an. Tordoir hat sich vor allem die Reihe von Stichen Capricci und Scherzi von Tiepolo zum Vorbild genommen. Diese Reihe zeigt eine Welt mit Fremden, (verstoßenen) älteren und bizarren Figuren am Rand der Gesellschaft. Tordoir verweist auf die aus den Fugen geratene Welt, zu der wir alle gehören. In dieser Reihe hat Der Mensch des Ostens eine verbindende Funktion. Er erscheint bei Tiepolo auf der Bühne und taucht in dem Werk von Tordoir auf. Dieser Mensch des Ostens ist in seinen unfassbaren Gestalten eine Metapher für den Künstler, Philosophen, Dichter und Wissenschaftler.
 
Der Ausdruck des Hundes
Für seine „The Pink Spy“-Reihe führte der Antwerpener Künstler Regie für ein Tableau vivant mit Statisten. In der Inszenierung, die das Museum zu „The Pink Spy / Kids“ realisiert, stößt man auf den Abguss eines ausdrucksvollen Hundes. Dieser Hund findet sich auf dem monumentalen Tuch wieder. Tordoir ließ sich für seinen Vierbeiner auf diesem Bild von dem Hund nach einer Zeichnung von Jacob Jordaens aus der Sammlung des Plantin-Moretus-Museums inspirieren. Jordaens arbeitete den Hund in seinem Gemälde „Le piqueur et ses chiens“ (Der Jäger und seine Hunde) weiter aus. Dieses Werk gehört zur Sammlung des Museums der Schönen Künste in Lille.
 
Konsum und Verschmutzung
Im Hintergrund von „The Pink Spy / Kids“ wird implizit die Verschmutzung ins Bild gerückt. Wir sehen Exzesse, die das Ergebnis unseres Konsumdrangs sind. Neben dem Tuch stellt Tordoir zwei jahrhundertealte Buchstabenblöcke aus Blei zum Werk auf. Der eine Block ist nicht von Verschmutzung befallen, der andere hingegen schon. Ein Buchstabenblock fällt sogar buchstäblich auseinander. Das befallene — giftige — Blei tritt über die Abgrenzung hinaus. Das regt zum Nachdenken über die Folgen von Verschmutzung  an, nicht nur für die allgemeine Gesundheit des Menschen, sondern auch für die Haltbarkeit unseres kollektiven Kulturerbes.
 
Vier Skizzen für das Museum Plantin-Moretus
Zeichnungen sind sichtbare Spuren von Gedanken. Sie illustrieren die Versuche von Tordoir, seine Intentionen herauszubilden. Dieser Prozess verläuft über manchmal sichtbare und buchstäblich reißende „expressive“ Handlungen. Zerrissene Teile werden in ihrer Vorläufigkeit mit Klebeband in grellen Farben zusammengesetzt. Es sind fundamentale künstlerische Untersuchungen nach dem „Wie“ und dem „Was“ eines Bildes. Dank Vorstudien kann dieses Bild zu einem großen und seelenbezogenen Kunstwerk führen.

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