Blog: Antwerpener Stadthonig

Auf dem Dach des Restaurants Graanmarkt 13 herrscht eine emsige Gesch&auml;ftigkeit. &Uuml;ber 120.000 Bienen fliegen hin und her, um Stadthonig zu produzieren. Die kulinarische Bloggerin Marlies Beckers besuchte einen Workshop von Rik Janssens aus der Stadtimkerei Amielo.<br />

“Stadthonig. Das ist Honig von Bienen, die Nektar aus den zahlreichen Blumen schlürfen, an denen Antwerpen reich ist. Jede Nachbarschaft und jedes Stadtviertel hat eine einzigartige Vegetation. Jeder Honig schmeckt daher auch anders.” In Imkerkluft (Imkerbluse mit Schleier, Handschuhe) gehüllt, folge ich jedem leidenschaftlichen Wort von Rik Janssens, während der Schweiß auf meiner Stirn perlt. Nicht nur die Wärme dieses glühend heißen Sommertages spielt mir einen Streich, sondern auch die Spannung ist entsprechend, wenn eine der Tausenden von Bienen neugierig mein Bein hinaufkrabbelt. „Einfach still stehen bleiben”, sagt Rik. Einfach?
 

Tausende von Blumen und Kräutern

Wir starten oben im Kräutergarten von Chef Seppe Nobels oder genauer gesagt, seinem Spielgarten, mit einer kühlenden Honiglimonade und einige Häppchen Ibérico-Schinken, Artischocke mit Tintenfischchen und einem Salat von Rüben, Avocado und Apfelsinen. Originell, erfrischend und pur, so wie wir es von Gault&Millau’s Gemüsechef des Jahres gewöhnt sind.
 
Im Garten findet man ein weit gefächertes Angebot von Küchenkräutern und essbaren Blumen. Herrliches ‚Futter‘ für uns, aber auch für die Bienen. Honig aus diesem Kasten hat den Beinamen ‘mille fleurs’. „Die Tausende von Blumen aus der Umgebung sorgen für verschiedene Aromen und mehr Tiefgang. Das erklärt auch den gastronomischen Wert dieses Honigs. Chef Seppe verwendet diesen frischen Honig nur allzu gern für seine Gerichte am Graanmarkt 13”, erklärt Rik.
 
Die 13 Teilnehmer des Workshops sind einfach neugierig. Fragen werden abgefeuert und Rik entpuppt sich als ein Wasserfall von Bienenwissen. Es beginnt alles mit 3 Sorten von Bienen: Der Königin, der Arbeiterin und der Drohne.
 

Das Bienenleben, wie es ist

Die Königin wird als Ei von den Arbeiterinnen ausgewählt und kann bis zu 5 Jahre alt werden. Sie ist größer und lebt länger als die Arbeiterinnen, und zwar aufgrund ihrer Ernährung. Als Larve erhält sie jedoch als einzige ausschließlich Königinnenbrei zu essen. Dadurch entwickeln sich ihre weiblichen Geschlechtsteile, und nur bei ihr kommt die Produktion von Eiern in Gang. Als Biene ist man daher eindeutig das, was man isst!
 
5 Tage nach der Geburt geht sie sich paaren. Sie wird von 5 bis 10 Drohnen oder männlichen Bienen befruchtet. Für die Drohne ist das buchstäblich ein ‚kleiner Tod’. Beim Paaren verliert die Drohne das Geschlechtsteil und damit auch das Leben. Die Königin bewahrt das Sperma in einem Säckchen auf und kann damit Tausende von Eiern befruchten. Das läuft auf schlappe 1500 (!) Eier pro Tag hinaus.
 
Die Arbeiterinnen sind dauernd auf der Suche nach Nektar, um ihn zu Honig verarbeiten zu können, und werden so ca. 6 Wochen alt.
 

Scharfsinnige Verteidigungstricks

Nicht fern über einigen nichts vermutenden Gästen, die draußen dinieren, stehen zwei Kästen. Sie sind fast schwarz vor Bienen.
 
Obwohl Bienen im Allgemeinen nicht aggressiv sind, schützen wir uns am besten mit einer Kapuze oder einer Imkerkappe. Rik zeigt uns eine ganz dunkle Wabe. Hier sitzt geschlossene Brut verborgen, Eier in einem Puppenstadium. Neben dem Honig ist auch Blütenstaub und Propolis auf/in der Wabe (aus Wachs aufgebaut) zu finden; Propolis ist ein natürliches Antibiotikum, um alle kleinen Öffnungen, Ritzen und Spalten im Nest dicht zu kleben.
 
Dieses klebrige Gut verwenden die Bienen auch als Sicherungsmittel. Dringt eine Maus in ihren Kasten ein, dann stechen diese so viel, bis sie stirbt, und danach mumifizieren sie den Eindringling einfach mit dem Propolis. Eine andere Art, um kleineren Feinden das Leben zu nehmen, ist ebenfalls scharfsinnig. Bienen können ihre Flugmuskeln von ihren Flügeln entkoppeln. Dadurch, dass sie diese Muskeln schnell vibrieren lassen, bekommen sie es nicht nur selbst warm, sondern sie können auch in der Gruppe andere Insekten wie zum Beispiel Hornissen lebendig verschmoren!
 

Honig, direkt von der Wabe

Die folgende Wabe ist von heller Farbe und enthält keine Brut, sondern Honig. Rik macht ein Loch und gierig tauchen wir unsere Finger in den dunkelgelben, süßen Stoff. Frischer Honig, die Speise der Götter. Inzwischen machen wir auch die Königin aus, erkennbar an ihrer leuchtend grünen Kugel, die von Rik angebracht wurde. Ich halte es vor Hitze nicht mehr aus und wage es doch, meine Imkerkappe abzusetzen. Wir sind nun ganz dicht dabei und können durch das Surren kaum noch mit Rik reden. Spannend, interessant und pur.
 
Nach unserem Bienenabenteuer gehen wir zu Tisch, für Seebarsch mit Ratatouille, Artischocken und Basilikumjus. Das Dessert ist ein Himbeerkuchen mit Kirscheis. Sensationell! Wir schließen mit einer Madeleine auf Basis von eigenem Stadthonig ab. Besser als in meinen kühnsten Erinnerungen! Jeder bleibt, um Rik mit Fragen zu überschütten. Wenn wir nicht noch Jobs zu tun hätten, wären wir allemal zweifelsohne bis in die frühen Morgenstunden geblieben.
 
Sie möchten an einem Bienenworkshop teilnehmen? Dann senden Sie eine E-Mail an welcome@graanmarkt13.be und bleiben Sie auf der Höhe!
 
Mehr Infos über Antwerpener Stadthonig finden Sie unter www.amielo.be.
Reservieren am Graanmarkt 13 können Sie unter www.graanmarkt13.be


Juli 2015

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