Blog: Brussels Beer Challenge

Antwerpen und Bier, das ist im wahrsten Sinne des Wortes eine goldene Kombination. Mit verschiedenen Events im Zeichen des goldenen Gerstensaftes können wir ohne zu übertreiben von einem echten ‚Bierjahr’ sprechen. Denken Sie nur an die 16. Auflage des „Wochenendes der Bierleidenschaft“ (Bierpassieweekend), die immer schmackhaften Bollekesfeesten, das Modest Bier Festival, das an die 5.000 Besucher willkommen heißen könnte, die erste Auflage von Brouwplus, die sich vollständig auf Hobbybrauer zuspitzte und die Eröffnung des De Koninck Experience Centre. Und das ist noch nicht alles. Der kulinarische Blogger Coolinary berichtet von einem internationalen Bierwettbewerb: Der Brussels Beer Challenge.

 

Professioneller Bierwettbewerb

Belgien ist ohne Zweifel das Bierland schlechthin. Kein Land hat eine so reiche Kultur und Tradition in Bezug auf Bier wie das unsere. Dass es bis 2012 gedauert hat, bevor die Brussels Beer Challenge das Licht der Welt erblickte, ist nicht weniger als überraschend. Dank der reichen Antwerpener Braugeschichte sowie des Bestehens verschiedener Brauereien (De Koninck, die Hausbrauerei Het Pakhuis und die Hausbrauerei Wapper) wurde Antwerpen als Gaststadt für die vierte Auflage dieses professionellen Bierwettbewerbs mit internationalem Ansehen ausgewählt.
 
Um einen Eindruck vom globalen Charakter dieses Bierwettbewerbs zu geben, zeigen wir gerne mal kurz die Zahlen. So waren es dieses Jahr gut und gerne 1100 eingesandte Biere von +/- 500 Brauern aus 30 verschiedenen Ländern. Großen Bierländern wie zum Beispiel Belgien, den Vereinigten Staaten, Brasilien und den Niederlanden wurde durch überraschende Länder wie Kambodscha, Südkorea, Japan und Kolumbien die Hölle heiß gemacht. Diese Biere, die in 8 Hauptkategorien (Pale-Ale, aromatisiertes Bier bzw. Flavoured beer, Bierspezialitäten usw.) und 50 Unterkategorien (Abteibiere, Schokoladenbiere, Lambiek usw.) aufgeteilt werden, werden danach auf zwei Morgensitzungen einem internationalen Prüferpanel von 75 Jurymitgliedern aus 27 verschiedenen Ländern serviert.
 

Verkostung ab morgens früh

Während der zweiten Sitzung am Samstagmorgen darf der Unterzeichnete am VIP-Tisch Schlange stehen, um dem Drum und Dran der Brussels Beer Challenge schrittweise zu folgen. Die Uhr der Kathedrale gibt bei meiner Ankunft im Klosterhotel Elzenveld kaum 9 Uhr an, aber die Jury, fein säuberlich über 15 Tische aufgeteilt, die ist schon sehr beschäftigt. Schauen, riechen, probieren und notieren macht hier die Tagesordnung aus. Die Gläser werden fachkundig gegen das Licht gehalten, gelegentlich taucht eine Nase in das Glas, um danach das Bier sorgfältig in den Mund tanzen zu lassen. Beachtlich: Hier stehen im Gegensatz zu den Weinproben keine Spuckeimer auf den Tischen. Kein Wunder, dass die straff im Anzug steckenden Kellner neben den verschiedenen Bieren auch Wagenladungen von Wasser herumbringen.
 

Frauen haben mehr Geschmackspapillen

Zwischen zwei Runden spreche ich kurz mit Sofie Vanrafelghem, (Autorin, Kolumnistin, Gründerin von „Frauen und Bier“) die auf jeden Fall über die Anzahl weiblicher Jurymitglieder, nur so an die 20%, begeistert ist. “Natürlich könnte der Prozentsatz höher sein, aber die Organisation hat wohl ihr Bestes getan, um eine ausgewogene, abwechslungsreiche Jury zusammenzustellen. Wissen Sie übrigens, dass Frauen durchschnittlich 30 % mehr Geschmackspapillen haben als Männer?” Ideal, um Bier zu verkosten, etwas, das nach Vanrafelghem von einer anderen Größenordnung ist als Wein probieren. „In meinen Augen ist es vor allem komplexer. So ist Hopfen vor allem viel schwieriger zu erkennen als eine Traubensorte.” Bier ist für einen Belgier selbstverständlich geworden. Wir bestellen ‘ein Bolleke’ oder ein Bierchen, als ob es nichts wäre, denken aber nicht mehr an das große fachmännische Können, das dahinter steckt.
 

Fritten und Bier

Nicht viel später traf ich auf einen gutgelaunten Jay Brooks (amerikanischer Journalist und Schriftsteller, der auf Bier spezialisiert ist), der zu erzählen wusste, dass er schon einige Tage in der Kuchenstadt weilt, um am Leben in der Stadt zu schnuppern. “Wenn es eine Leidenschaft gibt, die sich der von Bier nähert, dann sind es wohl die belgischen Fritten. Fantastisch! Frituur N°1 und Max haben in diesen Tagen einen festen Kunden an mir”, lacht Jay. Auf die Frage, ob er aus dem Stegreif ein Antwerpener Bier nennen könnte, führt er eine Anekdote an, wie er mit Johan Van Dijck (Seef Bier) in San Francisco beinahe mit dem damaligen Prinzen Philip bummeln gegangen wäre. „Schade um das Protokoll, denn der Prinz schien wohl Spaß daran zu haben. Etwas trinken mit dem späteren König des Landes des Biers, das wäre einmal eine Geschichte.”
 
Etwa 3 Stunden lang werden mir natürlich noch einige Biere serviert, und es mag schon schnell klar sein, dass wir es ganz bescheiden halten, was das Experimentieren betrifft. Gurken, Basilikum, Kürbis, Kaffee, Geräuchertes… das passiert alles die Revue. Versuchen sie es bloß, Jurymitglied zu sein!
 

Mehr Experimente in Belgien gefragt

Der Niederländer Dennis stimmt mir zu, was das Experimentieren betrifft. „Eine reiche Bierkultur, alles gut und schön, aber es gibt zu wenige Brauer in Belgien mit Muskeln am Körper. Veränderung braucht übrigens nicht verrückt zu sein. So geht meine Vorliebe zu ehrlichen Bieren, ohne Hinzufügung von Zuckern oder Kräutern. Aber experimentieren, das tut Belgien zu wenig”. Um doch noch mit einer positiven Note abzuschließen, weiß er die Brauerei De Koninck zu loben. „Ihr Wild Jo ist exakt so, wie es sein muss. Ein schönes neues Bier, mit einem guten Marketing auf den Kauf zu.”
 

Bierkenner Hans Bombeke

Vor dem Heimweg frage ich Hans Bombeke, Vorsitzender des Antwerpener BierCollege, wie er den Wettbewerb als Jurymitglied erlebt hat. „Früher hatte ich einige Skepsis bei derartigen Wettbewerben”, meint er, “aber es war eine Ehre, am eigenen Körper festzustellen, dass dieser Wettbewerb perfekt organisiert ist. Jurymitglieder, die nach dem Zufallsprinzip einem Tisch zugewiesen wurden, probieren pro Kategorie, um Begünstigung zu vermeiden... Das Letztgenannte ist übrigens sehr wichtig, als Jurymitglied muss man seine eigene Vorliebe wirklich ausschalten und rein nach Fachwissen und fachlichem Können schauen.” Ob er denn ein Lieblingsbier habe? „Viel hängt vom Augenblick ab. Gerade probierte ich ein Koffiestout (Kaffee-Starkbier), das vermutlich in Eichenholzfässern reifte. Davon ein kleines Gläschen nach der Mahlzeit, und eine Zigarre dabei… mehr muss es nicht sein!”
 

Belgische und Antwerpener Biere punkten

Für die Verkündigung der Brussels Beer Challenge zog die Jury im Kielwasser des Organisationsteams zur Brouwerij De Koninck, wo sie zuerst eine Führung und ein Lunch erwartete, bevor die Preisverleihung anpackten. Er waren inzwischen einige Trends zu verzeichnen. So bleibt Belgien Herr im eigenen Land. Alle Goldmedaillen in traditionellen belgischen Stilen (Gueuze, Fruitlambic, Saison, Tripel usw.) gingen an belgische Brauereien. Mit über 1.000 teilnehmenden Bieren, davon eine große Anzahl aus dem Ausland, mag sich ergeben, dass die internationale Bierwelt auch die Brüsseler Beer Challenge in ihre Arme geschlossen hat.
 
Bleibt noch die Frage, wie es die Antwerpener Biere zustande brachten? Mit einigem Stolz können wir sagen, dass sie es mehr als ordentlich taten. So gewann Seef Bier eine Goldmedaille in der Kategorie ‚Pale & Amber Ale, Bitter Blond / Golden Ale’, und Wild Jo XX konnte eine Bronzemedaille in der Kategorie ‘Pale & Amber Ale, Saison’ ergattern. Der schöne Abschluss eines geschmackvollen Wochenendes, darauf trinken wir!
 
Coolinary.be // November 2015

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